Die Kreative Pause Teil 4 – Wie die Reise weiter geht

Vanessa Kraut | 20. November 2019 | Content Marketing | Lesedauer: 5 Minuten

Kreative Pause Teil 4

Unsere Kol­legin Tanja hat sich den Traum Welt­reise ver­wirklicht. In der zweiten Hälfte ihres Sab­baticals in Asien sam­melte sie Ein­drücke, die sie noch heute beein­flussen: im Reise­verhalten, ihrem Einfühlungs­vermögen aber vor allem in ihren Per­spektiven auf den öster­reichischen (Arbeits-)Alltag.

In diesem Teil geht es vor allem um die Rückkehr und um das, was von der Auszeit bleibt. Zuvor stand die Sabbatical-Planung unserer Kollegin Tanja im Vordergrund (konkrete Tipps und Tricks finden Sie in Teil 2 dieser Serie). Und auch die ersten Reise-Etappen in Afrika und Australien wurden uns erzählt. 

Erinnern Sie sich noch? Zuletzt sind Tanja und ihr Freund Fabian auf einem australischen Flughafen gestrandet, das früh gebuchte One-Way-Ticket nach Bangkok ungültig und eine kurzfristige Lösung war nicht in Sicht.

Der Ursprung der Misere: Die thailändischen Behörden verlangen ein Ausreiseticket, für den Fall, dass Reisende an der Grenze aufgehalten werden. Das Boarding für den Flieger nach Bangkok war schon im Gange und die Stimmung verständlicherweise angespannt. 

Wir lösen auf: alles ging gut aus. Der Chef des Bodenpersonals verhalf ihnen zur Last Minute Rettung: Ein gefälschtes Ausreiseticket. Da es keinen Grund gab, dass den beiden die Einreise verwehrt wird, brauchten sie dieses Ticket ohnehin nicht. Doch mit Fälschung kamen sie wenigstens an Bord. Ein Gefängnisbesuch in Bangkok gehörte nach diesem Trick glücklicherweise nicht zu den Abenteuern von Tanja.
Dafür aber:

Eine Wasserschlacht in der Hauptstadt

Genau rechtzeitig zum thailändischen Neujahr kamen Tanja und Fabian in Bangkok an – und fanden sich in einer riesigen, 3-Tage andauernden Wasserschlacht wieder, so wie es die Tradition verlangt.
Tanja: „Am ersten Tag war es noch super lustig. Aber am dritten Tag, wenn du eigentlich Sightseeing machen möchtest, wurde es schon nervig. Dann kommt eine Oma, schüttet einen Kübel Wasser auf dich und nein sagen wäre unhöflich.” Songkran

Die Sukhumvit Road wurde zum Songkran extra abgesperrt. Mit Spritzpistolen und kübelweise kaltem Wasser bewaffnet bestritten Fabian und Tanja die längse Wasserschlacht ihres Lebens.

Aller Hindernisse zum Trotz gelang das Sightseeing und bald ging es von der Hauptstadt Richtung Süden nach Ko Lanta. Die Route lag absichtlich in abgelegenen Gegenden am Festland und auf einsamen Inseln, ohne Internetempfang, dafür mit viel thailändischer Kultur. Das bevorzugte Reisemittel: Mopeds, denn auf einigen der dünn besiedelten Inseln gibt es nicht einmal Autos.

Menschen und deren Motivation auch ohne Sprachkenntnisse zu verstehen war hier Tanjas größter Lerneffekt:

„Das ist etwas, das mir auch jetzt noch im Studium und in der Arbeit hilft: Ich musste lernen, mich in andere Leute hineinzuversetzen, deren Lebensumstände völlig anders sind als meine und daher ganz andere Prioritäten setzen. Jeden Tag war ich damit konfrontiert, die Realität meiner Mitmenschen zu verstehen. Die Leute behandeln dich auch ganz anders, wenn sie das Gefühl haben, dass du auf sie eingehst.”

3 Wochen im Land der Tempel und ein Wiedersehen 

Nächster Halt: Kambodscha, wo sich Fabians Vater niedergelassen hat. Jahre zuvor, nachdem er seinen Job in Österreich gekündigt und schon selbst ein Jahr lang auf Reisen war, kam er nach Sihanoukville. Beabsichtigt war zwar nur ein Aufenthalt von 3 Tagen, schließlich aber ist er in der Küstenstadt bis heute geblieben.

Tanjas und Fabians kulturelles Highlight? Das Weltkulturerbe und Tempelstadt Angkor Wat. Dennoch leidet Kambodscha unter einem historischen Einschnitt, der die kulturelle und soziale Landschaft stark verändert hat: In den 1970ern verursachte das brutale Regime der Roten Khmer einen Genozid von 2 Millionen Khmer und die Auslöschung der gebildeten Elite. Die kambodschanische Zivilisation befindet sich immer noch im Aufbau, Stück für Stück kehren Flüchtlinge, die Bildung genießen durften, wieder ins Land zurück.

Angkor Wat

Tempelstadt Angkor Wat

Aber in diesen Aufbau mischt sich eine ganze Nation ein: Als Fabians Vater sich in Sihanoukville niederliess, war die Stadt noch unberührt. Mittlerweile haben chinesische Firmen tausende von Kasinos aufgezogen und verwandeln die Stadt in ein zweites Macau.

Die Kasinos standen nicht auf Tanja und Fabians Plan, dafür hatten sie viele andere Plätze auf ihrer Wunschliste stehen. 

Der Reiseablauf war zu diesem Zeitpunkt besonders entspannt und nie klar getaktet. Das Ziel war das Eintauchen in eine neue Kultur und die Entdeckung des Unbekannten. 

Bis heute hat genau das Tanjas Reiseverhalten wesentlich geprägt: „Ich kann meinen Horizont nur erweitern, wenn ich immer wieder Neues sehe. Ich fliege so gut wie nie irgendwo 2-Mal hin, außer der Ort hat mich wirklich total fasziniert.”

„20 schirche Stunden” & Faszination Singapur

Der Trip nach Singapur begann aufregend: „Wir waren den ganzen Tag in den Universal Studios und haben die Infrastruktur genossen. Singapur ist ein mega Land wir überlegen, dort für 1 – 3 Jahre hinzuziehen. Es war wirklich super beeindruckend und ein cooler Ausgangspunkt, um die Welt zu bereisen.”

Aber Singapur war auch der Ort, an dem Tanjas Freund von einer Krankheit überrascht wurde: Steigendes Fieber und Frösteln deuteten auf die tückische Malaria hin. Aufgrund ihrer Reisevorbereitungen wusste Tanja, dass das aggressive Malaria-Medikament sehr belastend für den Körper ist. Und die noch viel wichtigere, aber auch beängstingendere Information: Bei einer falschen Diagnose könnte es mehr schaden, als nutzen.
Während Fabian im Hotelbett fieberte, war Tanja mit der Entscheidung für oder gegen die Verabreichung allein – und entschied sich dafür: „Wir waren froh, dass es dann angeschlagen hat, aber davor waren es schirche 20 Stunden.”

Zum Glück hatte Fabian das Medikament relativ früh eingenommen, die Genesungszeit verging darum vergleichsweise schnell. Nach einem halben Tag stand er wieder auf den Beinen. Wie gut! Denn schon ging es weiter zur nächsten Destination.

Kulturschock Indonesien

Nicht immer können Pläne umgesetzt werden, Flexibilität gehört zum Reisen einfach dazu. Politische Unruhen und Aufstände vereitelten Tanjas und Fabians Reiseziel Philippinen. Einem Besuch dort wurde abgeraten. Und so übersprangen die beiden schweren Herzens diese Etappe und landeten nach Singapur kurzerhand in Indonesien, der letzte Station auf Tanjas und Fabians Reise.
„Wenn jemand fragt, was mein Lieblingsland ist, sage ich immer, ich kann mich nicht entscheiden. Aber Indonesien war schon eines der schönsten und beeindruckendsten Länder. Das liegt vielleicht daran, dass wir so viel Zeit dort verbracht haben”, verrät uns Tanja.

Ausgangspunkt und Ruhepol der Abenteuer war Bali, dorthin kehrten die beiden während der 2 Monate immer wieder zurück. Dazwischen fuhren sie die ganze Insel ab, waren in einem „der schönsten Tauchgebiete der Welt” auf Tauchsafari und unterwegs im Gebirge, wo Touristen noch wegen ihrer Seltenheit bestaunt werden.

„Das war auf jeden Fall ein Kulturschock und nach einiger Zeit auch anstrengend, wenn die dich die Leute ständig anschauen, egal wohin du gehst”, so Tanja.
Ein weiterer Kulturschock: Die Sicherheitsvorkehrungen, oder eher das Fehlen solcher. Eine Begebenheit auf einer Fähre war besonders einprägsam: Die „Nussschale”, beladen mit Zementsäcken im Bug und mindestens 30 Personen im Heck, war auf der Überfahrt zwischen zwei Inseln. Land war schon in Sicht, als der Wellengang immer brutaler wurde und der Bug mit jeder Welle stärker ins Wasser einstach. Tanja und Fabian überlegten sich schon einen Plan für den Worst Case: Wie viele Kinder könnten sie schwimmend mit sich ziehen? Wie lange würde ihr Gepäck schwimmen, bevor es vollgesogen untergehen würde? Wie durch ein Wunder konnte der Steuermann das Bötchen noch zu einem Steg führen. Der war zwar nicht das geplante Ziel, Tanja war dennoch erleichtert, die Bootsfahrt heil überstanden zu haben: „Aber all diese damals schlimmen, brenzligen Situationen, sind jetzt prägende, arge und coole Erfahrungen.”

Indonesien

An Board der Nussschale die beladen mit Betonsäcken und viel zu vielen Menschen eigentlich zum Kentern verurteilt war. 

Bereit für den Neuanfang

Und dann war die Zeit reif für die Heimreise. Juli 2017 ging’s für Tanja wieder nach Österreich zurück zu Familie, gewohnter Umgebung und gewohntem Essen, aber auch zurück zur Bürokratie, Verkehrssicherheit und einem freien Zugang zu Bildung. Das konnte Tanja nun stärker schätzen, als zuvor:

„Und da war auch meine Freude und mein Wissensdurst auf diesen Bereich spürbar, den ich unbedingt machen wollte. Während der Reise wurde ich mir auch immer mehr bewusst, dass dieses Studium sehr taugen würde.” Abstand verschaffte also in Tanjas Fall Klarheit und Selbstsicherheit über ihre getroffene Entscheidungen.

Nach dem Heimkommen ging es für Tanja nicht direkt zurück in ein gewohntes Leben. Vielleicht geht das auch überhaupt nicht, nach so vielen Abenteuern, Erfahrungen und Erkenntnissen über sich selbst. Ein neuer Abschnitt wartete auf sie und so ging es an den Auszug aus dem Elternhaus in Niederösterreich und zum Einzug in eine Wohnung in Wien – neues Auto, Studienbeginn und neuer Job. „Ich bin heimgekommen nach Österreich und stand vor einer leeren Wand, die ich neu gestalten konnte.”

Tanjas Elan für diese neue Lebensphase hatte viel mit ihrem Sabbatical zu tun. Wäre sie direkt von ihrem alten Job ins Studium eingestiegen, hätte sie diese Kraft für einen Neustart nicht aufbringen können, glaubt Tanja.

Was ihr bis heute noch geblieben ist, sind all die Erfahrungswerte aus 7 Monaten Weltreise. Und auch eine erweiterte Perspektive: „In Ländern wie Indonesien musst du tägliche Herausforderungen meistern, das fängt schon bei kleinen Sachen an, wie der Trinkwasserversorgung. Wir denken uns immer, wir haben in Österreich so viele Probleme, aber das sind oft Themen, die man leicht überdramatisiert, im Vergleich zu existenziellen Problemen.”

Eine der prägendsten Erfahrungen, die Tanja mitnehmen konnte: „Es gibt immer eine Lösung. Klingt abgedroschen, ist aber wirklich so. Du stehst vor Herausforderungen und es bleibt dir einfach nichts anderes übrig, als sie zu lösen.”

Die kreative Pause wirkt also nicht nur in der Theorie, sondern auch im echten Leben. Was Tanja in ihrem Sabbatical gesehen und erlebt hat, hat nachhaltige Auswirkungen auf ihre Motivation und Weltanschauung gehabt. Die Weltreise als Sabbatical rückt damit auch auf meiner eigenen Bucket List nach oben ;)

Für gesteigerte Kreativität und Inspiration muss es aber nicht unbedingt ein monatelanges Sabbatical sein. Wie Sie Kreativitätsstrategien mit Leichtigkeit und ohne lange Planung in Ihren Alltag einbinden können, bringt Ihnen im fünften Teil der Serie unsere Expertin bei: Katharina Mühl, Glückstrainerin und Mentalcoach.

Credit: ©Tanja Hoffmann