Die Kreative Pause Teil 5 – Glückstrainerin Katharina Mühl: „Kreativ zu sein, das macht wesentlich glücklicher”

Vanessa Kraut | 10. Dezember 2019 | Content Marketing | Lesedauer: 4 Minuten

Kreative Pause teil 5

Kennen Sie schon das Flow-Gefühl? Den Moment, wenn die Inspiration zuschlägt und auf einmal alles leicht von der Hand geht? Das ist einer der Schnittpunkte, an dem Kreativität und Glück zusammenlaufen. Wie genau das funktioniert und wie man dorthin gelangt, erzählt Katharina Mühl.

Dass Kreativität recht wankelmütig sein kann und wieso dem so ist, wissen Sie bereits aus dem 1. Teil der Serie. Manche Menschen beschwören die Muse mit Hilfe von Sabbaticals, so auch unsere Kollegin Tanja, die in Teil 3 und 4 unserer Reihe von ihrer Reise um die Welt erzählt. In diesem Teil der Serie sprechen wir mit Katharina Mühl, Glückstrainerin und Mentalcoach, darüber, wie Kreativität, Glück und das Pause-Machen zusammenhängen. Über Glück spricht sie nicht nur auf ihrem Blog oder in den Medien, sondern auch in 1:1 Coachings und auf Schulungen in Universitäten und Schulen. Während Katharina Mühl in Schulklassen sogenannte Glückseinstiegsworkshops anbietet, unterrichtet sie an der Austrian Marketing University das Fach Kreative Kompetenz. Spannende Fächer, oder? Der Schwerpunkt liegt dabei auf Ideengenerierung, -bewertung und kreativer Kompetenz – denn zwischen Glück und Inspiration gibt es so einige Überschneidungen.

Wie hängen nun Glück und Kreativität zusammen?

Viele Menschen sind der Meinung, sie sind überhaupt nicht kreativ – genauso wie manche sagen, ich kann nicht so glücklich sein wie die Andern. Doch das stimmt so nicht. Denn tatsächlich werden wir alle mit den Anlagen zu Kreativität und Glücklichsein geboren und jeder Menschen hat das Potenzial dazu, kreative Ideen zu entwickeln. 

Es verhält sich hier eher wie mit unserem Körpergewicht. Wir alle kommen damit auf die Welt und natürlich bringen manche mehr auf die Waage, Kreativität kann also je nach Persönlichkeit stärker oder schwächer ausgeprägt sein, aber genauso wir unser Körpergewicht, ist auch unsere kreative Kompetenz über unser Leben hin veränderlich.

Wie ruft man Kreativität am Arbeitsplatz ab?

Wichtig ist sich mit seinem Arbeitsumfeld auseinanderzusetzen: Wie kann ich mir eine Umgebung schaffen, in der ich kreativ werde? 

Es ist kein Wunder, dass Unternehmen über unkreative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klagen, wenn diese in einem Großraumbüro sitzen, einen aufgeräumten Platz haben müssen und alles eingekastelt ist. Da bleibt kein Raum für Sachen, die uns aus dem gewohnten Gedankenstrom herausreißen.

Natürlich kann ich auch dafür sorgen, dass ich mir im Kleinen ein angenehmes Arbeitsumfeld schaffe. Ich kann mir einen Sitzball mitbringen oder mich fragen, ob ich hin und wieder mal draußen arbeiten kann. 

Was außerdem sehr wichtig ist, um kreativ zu bleiben oder diese Kompetenz zu verstärken, ist einfach neugierig zu bleiben. Das bedeutet immer wieder neue Dinge auszuprobieren, beispielsweise indem wir in Ausstellungen oder auf verschiedene Kongresse gehen. Es ist natürlich gut, Expertenwissen zu haben und sich zu spezialisieren, aber gleichzeitig sollte ich auch nach rechts und links schauen.

Die Serie „Kreative Pause” geht besonders darauf ein, dass das Abschalten die Kreativität fördert. Können Sie das bestätigen?

Ja, absolut. Geistesblitze entstehen meist, indem wir uns zunächst in ein Thema einarbeiten und dann etwas komplett anderes machen, etwas, das Freude bereitet und ein bisschen ablenkt, beispielsweise ein langer Spaziergang.

Ein Beispiel dafür ist die Entstehungsgeschichte von Harry Potter. Die Autorin J.K. Rowling sagt, sie ist in einem Zug gefahren, hat aus dem Fenster geschaut und die Gedanken schweifen lassen, als sie vor ihrem geistigen Auge diesen kleinen Zauberlehrling gesehen hat – Harry Potter. Und sie ist der Meinung, diese Idee sei ihr deshalb gekommen, weil sie während der Zugfahrt geistig frei war.

Wir sind oft der Meinung, wir müssen ganz verbissen an einem Thema arbeiten. Vor allem bei der Kreativität, geht es aber darum, bewusst loszulassen

Wenn ich das Gefühl habe, ich bin in einer negativen Gedankenspirale gefangen, geht es darum, das zu akzeptieren, bevor ich weitermachen kann. Der nächste Schritt ist, zu überlegen: Wie kann ich anders denken, damit es mir besser geht?” Und diesen Gedanken dann zu implementieren.

Wie gelingt es, stärker im Moment zu leben?

Wir können in den Alltag kleine Mini-Meditationen einbauen. Das geht, indem wir einfach nur ganz bewusst darauf achten, was wir hören, schmecken, fühlen oder sehen. Eine Mini-Meditation für Kaffee-Liebhaber wäre zum Beispiel beim Kaffee zubereiten in der Früh ganz bewusst hinzuhören, wie der Kaffee gemahlen wird, wie er riecht und dann den ersten Schluck ganz bewusst zu trinken. So knüpfe ich eine Mini-Meditation immer an den Kaffee.

Ein sofortiges Ergebnis spüre ich auch, wenn ich mich hinsetze, die Hände auf den Bauch lege und einfach 3,4,5 Mal in den Bauch atme und ganz bewusst die Atmung spüre. Einatmen, was passiert in meinem Bauch, wie fühlt sich mein Körper an, ausatmen.

Eine Studie der APA behauptet, wer kreativ ist, ist glücklicher bzw. wer glücklich ist, hat auch mehr Alltagskreativität. Was denken Sie darüber?

(Die Studie der APA finden Sie hier.)

Es ist tatsächlich so. Je öfter wir gute Gefühle erleben, desto mehr erweitern wir unseren Denk- und Handlungsspielraum, das heißt, es fallen einem viel mehr Dinge ein. Wenn es uns gut geht, werden wir automatisch kreativer. 

Wenn wir aber zum Beispiel ein Flugzeug verpasst haben, dann sind wir so verärgert, dass wir einen richtigen Tunnelblick bekommen und uns fällt im Moment keine Option ein, wie wir jetzt noch von A nach B kommen. Erst wenn wir uns beruhigt haben, und uns denken „geht schon wieder”, dann fallen uns alternative Möglichkeiten ein. Erst wenn unser Hirn in einer positiven Stimmung ist, sind wir bereit kreativ zu denken.

Deswegen ist auch in der Schule wichtig, dass sich die  Kindern wohl fühlen, damit sie gut lernen können.

Und: Wenn wir eine gute Idee haben, spüren wir das auch in unserem Körper – das ist ein totales Wow-Gefühl! Dann spüren wir dieses Kribbeln. 

Wenn ich mit meinen Uni-Studenten eine kreative Session habe und wir generieren Ideen, dann spürt jede und jeder: Ja, diese Idee ist es jetzt, die ist urcool!” Das ist ein Glücksgefühl und natürlich will ich dann mehr davon. 

Kreativ zu sein, das macht wesentlich glücklicher.

Wie trainiert man sich selbst zum Kreativ- und Glücklichsein?

Habe ich dieses beschriebene Erfolgserlebnisse, will ich das wieder haben. 

Wenn ich im kreativen Prozess  bin, dann erlebe ich das Flow-Gefühl. Das bedeutet, ich gehe ganz in meiner Aufgabe auf, ich vergesse die Zeit um mich herum und die Aufgabe entspricht exakt meinen Fähigkeiten, also ich bin weder unter- noch überfordert. Wir haben dann mehr Energie, obwohl wir gearbeitet haben. Dieser Flow Zustand ist sehr, sehr wichtig, den sollten wir täglich in unserer Arbeit erleben. 

Wenn ich meine eigenen Stärken kenne und meine Fähigkeiten in meinem Alltag einsetzen kann, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich viele Flow-Erlebnisse habe.

Haben Sie ein eigenes Glücksrezept?

Ja, sogar viele! Eines davon hat mir diese Woche besonders geholfen. Es lautet: Auf das  eigene Bauchgefühl vertrauen. Wir haben das oft verlernt, aber ich finde das Bauchgefühl ist ein wichtiger Glücksindikator. Sehr oft tun wir etwas, weil es uns in unserem Kopf total sinnvoll vorkommt, auch wenn unser Bauchgefühl etwas ganz anderes sagt. 

Ich wünsche mir für die Menschen, dass sie viel mehr darauf hören, was das Bauchgefühl sagt. Mein Bauch weiß ganz genau, welche Menschen mir gut tun und welche Menschen mir Energie abziehen – das Problem ist nur, wir hören nicht oft genug darauf.

 

Vielen Dank an Katharina Mühl für das interessante Interview! Im nächsten Teil der Serie gibt es Tipps für Mini-Pausen, die zwischen Deadlines, Meetings, Kaffeeklatsch und all den anderen Anforderungen des Büroalltags passen.

Credit: ©Katsiaryna