Fragen über Fragen: Was es dafür braucht

Vanessa Kraut | 09. August 2019 | Content Marketing

Interview Fragen

„Es ist ein Privileg, durch Inter­views tiefer­gehende Einblicke in die verschiedensten Fach­welten zu erhalten”, findet Content Glory Redakteurin Carina. Um jedoch spannende Antworten zu erfragen und spontan auf Interview­partner einzugehen, muss man sich mit Interview­führung auseinander­setzen.

Flexibel auf das Gegenüber zu reagieren und dabei auf unerwartete Aspekte improvisiert und spontan einzugehen, sind wichtige Fähigkeiten für jede Interviewsituation. Oft macht eine spontane Frage den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Interview aus. Wie man sich auf Interviews vorbereiten kann und warum sogar der klassische Kaffeeklatsch Gelegenheit zum Üben bietet, lesen Sie im Interview mit Carina.

Was sollte man bei der inhaltlichen Vorbereitung auf Interviews beachten?

Ich versuche Themen auch in meinen privaten Gesprächen einfließen zu lassen und die verschiedensten Perspektiven abzugreifen. Es muss nicht immer die reine Recherche im Internet sein. 

Die Augen für verschiedene Wissensquellen im Vorhinein offen zu halten, zahlt sich aus. Im Interview bekommst du nur diese 60 Minuten und dann geht’s darum, die wirklich interessanten Punkte herauszuarbeiten. Die Vorlaufzeit zu einem Interview ist für mich daher genauso wichtig wie das Interview selbst.

Kann man sich auf einer zwischen­menschlichen Ebene auf den Gesprächs­partner vorbereiten?

Ja, auf jeden Fall! Ich screene vor jedem Interview LinkedIn-Profile der Personen und recherchiere, was online bereits an Interviews verfügbar ist. Hier kann man auf Themen stoßen, die man später nicht mehr erfragen muss. Insofern sind persönliche Profile super spannend, da man schon in der ersten Frage des Gesprächs über Interessen des Gegenübers oder persönliche Gemeinsamkeiten reden kann. Eine gute Basis erleichtert das Interview.

Wie gelingt es, spontan und dennoch konkret Fragen zu stellen?

Da muss man spontan und improvisiert das Beste geben, was man in dem Moment geben kann. Es ist mir auch schon passiert, dass ich während Interviews bemerkt habe: „Wow, in diese Richtung scheint’s sehr viel Spannendes zu geben!” Und dann versucht man so viel abzugreifen, wie möglich. Aber natürlich kann man sich nicht auf jeden Eventualfall vorbereiten. 

Armin Wolf hat einmal über die ZIB2-Interviews gesagt, dass er circa 90% der Vor-Interviews umsonst macht, weil nur 10% von dem Wissen im tatsächlichen Interview wirklich verwendet wird. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren. Natürlich schaut man sich im Vorfeld viele verschiedene thematische Richtungen an, doch wohin sich das Gespräch entwickelt, kann man erst sagen, wenn man der Person gegenüber sitzt.

Wie passt man den richtigen Zeit­punkt ab, um in ein neues Thema einzusteigen und eine spontane Frage zu stellen?

Das hat viel mit Gefühl zu tun. Manchmal wirkt es, als ob ein Themenaspekt abgehakt wäre und das Gegenüber schweigt. Hier zahlt es sich aber manchmal aus, nochmal nachzuhaken. Vielleicht formuliert man eine frühere Frage um, oder man fragt: „Gibt es noch etwas, das Du hinzufügen möchtest?” Oft kommen noch spannende Punkte auf. Manchmal hilft es, einen thematischen Schwenk zu machen. Hat man die Leute wieder zum Reden animiert, kann man wieder zum früheren Aspekt zurückkommen. 

Wie geht man am besten auf Themen ein, die sich unerwartet im Gesprächs­verlauf eröffnen?

Ich finde, das eigene Interesse ist immer ein guter Ansatzpunkt: Was muss ich persönlich fragen, damit ich mit meinem Wissensstand nachvollziehen und verstehen kann, worum es geht? Die Folgefragen ergeben sich Step by Step.

Gespräche, wo es um Themen geht, zu denen ich wenig Vorwissen habe, führe ich eher wie eine Unterhaltung – wie beim spontanen Kennenlernen. Also denke ich weniger an die Artikelstruktur, als an einen lockeren Gesprächsaufbau.

Wie beschreibst du deine Heran­gehensweise an die Frage­strategie?  

Ich tendiere dazu, mir zu viele Fragen zu notieren. Und versuche diese dann für eine Dauer von 60 Minuten auf zehn offen gehaltene Fragen zu reduzieren. Aus den Fragen entstehen natürlicherweise Folgefragen, die man nicht vorhersehen kann. Für Interviewpartnerinnen und -partner, die daran gewöhnt sind zu reden (wie im Bereich Sales) sind zehn Fragen absolut ausreichend. Spricht man aber mit Personen, die weniger Erfahrung mit externer Unternehmenskommunikation haben, dann ist es besser, sich mehr vorzubereiten.

Was offene und geschlossene Fragen betrifft, muss man an den Spannungsbogen bei einem Interview denken. Wenn man die Leute zu einem bestimmten Thema hinführen möchte, hilft es oft, zwei, drei geschlossene Fragen zu stellen und auf eine offene Frage vorzubereiten. Die Dramaturgie der Fragestellung ist meines Erachtens ein wichtiges Tool.

Wie holt man jemanden, der in seinen Antworten abschweift, zurück auf das Thema?

Eine effektive Strategie ist es, das Abschweifen direkt anzusprechen: „Spannender Exkurs, lass uns jetzt wieder zum Kernthema zurückkommen.” In den meisten Fällen führen die Befragten das Gespräch dann von selbst wieder zurück. Wenn das nicht passiert, spricht nichts dagegen, auf das Skript hinzuweisen: „Lass uns wieder auf die Fragen zurückkommen, die ich vorbereitet habe, die nächste lautet…”

Welche Tipps kannst du Redakteuren mitgeben, die gerade das spontane Fragen lernen?

Das Üben, auch im privaten Bereich. Interviewen ist etwas, das man nicht in der formellen Interviewsituation lernt, sondern im Gespräch mit Mitmenschen. Im Fitnessstudio, Hochzeiten oder überall, wo man Leute spontan kennenlernt. Von daher ist spontanes Fragen etwas, das man auf Kaffeeklatsch-Basis sehr gut trainieren kann, um es im professionellen Umfeld noch besser umzusetzen.

Vielen Dank für die Tipps, liebe Carina. Beim nächsten Interview werde ich sie mir gleich zu Herzen nehmen!

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