Track 5: Berichte aus der Audio-Werkstatt

Gabriel Kroher | 02. Juni 2020 | Content Marketing | Lesedauer: 4 Minuten

Podcast Serie Teil 5

Schluss mit der Theorie! Denn auch wenn inhaltliche Fundierung und Reflexion wichtig sind: Wirklich schlauer wird nur, wer anhand der Praxis lernt. Deswegen teilen wir in der fünften Folge der Serie unsere Erfahrungen mit Podcast-Produktion. Damit man aus unseren Fehlern lernen kann. Und sich das Gute abschauen kann.

Die inhaltliche Arbeit von Content Glory ist wie ein Querschnitt durch moderne Medienproduktion. Artikel, Videos, Blogartikel und Social Media Beiträge sind Teil eines breiten und bunten Angebots. Und neuerdings zählen auch Podcasts zum Sortiment. Schließlich bieten diese insbesondere fürs Content und Inbound Marketing verschiedenste Möglichkeiten, Inhalte kreativ und publikumsnah zu verpacken. Warum Veröffentlichungsstrategien sich perfekt in den Medien-Mix einbetten lassen, haben wir unter anderem im vierten Teil verraten. 


Für den Healthcare Marketing Changers Podcast suchen die Moderatoren René Neubach, Managing Partner und Content Strategist bei Content Glory, und Healthcare-Spezialist Dominik Flener neue Wege, Gesundheitsthemen und Digitales Marketing zu vereinen. In Folge 2 „Was kann die Pharmaindustrie von einem Museumsbesuch lernen? bekamen sie dafür Besuch aus unserer Redaktion von Projektmanagerin Maren Waffenschmid. In der Post-Production wachte Marketing Technologist Michael Schwinghammer über Soundqualität und Tonschnitt. Wie René, Maren und Michael ihre Podcast-Erfahrung wahrgenommen haben, welche Schlüsse sie daraus ziehen und was sie sonst so von Podcasts halten, haben sie in diesem kleinen Werkstattbericht zusammengefasst.

RENÉ NEUBACH Moderation und Planung

Rene Neubach

„Für mich eignet sich der Dialog, der in einem Podcast entsteht, einfach perfekt, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Man bekommt auch persönlich immer neue Inputs und kann gerade durch die Unmittelbarkeit der Situation Wissen aus anderen Bereichen in neue Themen übersetzen. Das ist eine riesige Stärke des Gesprächsformats im Speziellen und von Podcasts im Allgemeinen. 

Aus meiner Sicht lief unsere Aufnahme gut. Vor allem redaktionell waren wir gut vorbereitet, so hatten wir immer eine gute Richtung, in die wir uns während des Gesprächs bewegen konnten. Vor allem wenn man zu dritt oder mit mehreren Personen aufnimmt, muss man gut aufeinander achten und sich immer wieder die Bälle gegenseitig zuspielen. Das hat gut geklappt. Ich versuche auch immer, das Gesagte später noch einmal anzuhören. Nur so kann man etwas aus dem Ganzen lernen, um beispielsweise beim Sprechen mehr aufeinander reagieren zu können. 

Ich bin auch sonst eigentlich großer Podcast-Fan. Ich höre sie zwar meistens im Arbeitskontext, also zum Thema Wirtschaft oder Marketing, aber dafür in ganz unterschiedlichen Situationen, z. B. auf dem Rad oder dem Heimtrainer. Dabei kann ich mich wirklich auf die Inhalte konzentrieren. Am liebsten höre ich sie aber während dem Autofahren: Wenn die Landschaft und die Bäume vorbeiziehen, ist das ein richtiger kreativer Boost.“ 

Maren Waffenschmid: Gast

Maren Waffenschmid

„In dem Podcast ging es ja darum herauszufinden, wie redaktionelles Arbeiten, beziehungsweise die Rollen im Redaktionsprozess auf den Pharma-Kontext anzuwenden sind. Dazu war ich als Gast eingeladen. Und das war auch eine Grundfrage, die ich mir bei der Vorbereitung und währenddessen gestellt habe: Wie verbinde ich meinen Lebenslauf mit dem Thema? Was kann ich wann einbringen? Ich hatte also schon eine Struktur im Kopf, bei der Aufnahme lief es dann aber anders als erwartet.

Es gab relativ wenig Struktur, vieles lief kunterbunt ab. Man muss immer versuchen, einen logischen Faden im Gespräch zu finden. Wir sind teilweise zu sehr abgeschweift, denn es gab durchaus sehr spezifische Fragen an mich. Es war total cool, auch darüber im Speziellen zu reden. Aber in dem Moment war es überraschend, weil es nicht abgesprochen war. Ich konnte die Frage trotzdem beantworten, aber es hat eben weit weggeführt von der eigentlichen Thematik. 

Das ist definitiv auch das anstrengende am Podcasten: Dass man auch während der Aufnahme selbst redaktionell arbeiten und auf die Gesprächsführung achten muss.   Außerdem muss man ständig seine Wortwahl reflektieren und versuchen, chronologisch zu sprechen, also die wichtigsten Inhalte an den Anfang eines Satzes oder Redeblocks zu packen. Das macht die Sache für den Schnitt später auch erheblich einfacher. Und die Kunst daran ist, dass dann alles nicht nach gescriptetem Talk klingt, sondern immer noch nach einem Gespräch. Gut geschriebene Stichpunkte helfen da definitiv! 

Meine Quintessenz also: Planung, Planung, Planung!

Privat komme ich leider viel zu selten zum Podcast-Hören. Für meine Dissertation habe ich viel gehört, aber eben auch nur als Anschauungsmaterial. Beim Laufen oder anderen Freizeitaktivitäten genieße ich einfach gern die Stille. Mir fehlt einfach die Zeit und wenn ich etwas höre, verknüpfe ich es gleich mit der Arbeit. Schade eigentlich :)“ 

Michael Schwinghammer: Audiotechnik und SchnittMichael Schwinghammer

„Ich war für Tonschnitt und Nachbearbeitung verantwortlich. Und da erlebt man den Podcast natürlich noch einmal von einer ganz anderen Sicht als die anderen. Dabei ist mir auch die fehlende Struktur aufgefallen. Besser wäre es, sich im Vorhinein auf eine bestimmte Länge zu einigen, denn so musste ich am Ende leider viel rauskürzen. Zusätzliche inhaltliche Arbeit, die sehr lange dauert. 

Je besser die Struktur im Vorhinein ist, desto besser. Das merkt man beim Schnitt hautnah. Es ist zum Beispiel viel einfacher, in inhaltlichen Blocks zu schneiden, als sich alles von überall zusammenklauben zu müssen. Bei strukturierten Passagen ist es viel einfacher, von hinten wegzukürzen, falls nötig. 

Was aber super geklappt hat, war die Gesprächsführung. Keiner ist sich ins Wort gefallen und es gab keine Zwischengeräusche wie Husten oder Flüstern. Das rauszuschneiden ist nämlich später fast unmöglich. Vor allem gegen Ende merkt man aber, dass alle etwas ungeduldiger wurden, also schneller geredet haben. Da braucht es meiner Meinung nach einfach noch mehr Erfahrung, wie man mit der Aufnahmesituation umgeht. 

Lustigerweise höre ich sonst gar keine Podcasts. Ich verliere bei sowas einfach sehr schnell den Faden. Und inzwischen gibt es auch viel Mainstream, gefühlt läuft immer wieder das Gleiche. Dann vertiefe ich mich lieber in spezielle Themen wie feministische und historische Podcasts.“ 

Bonus: Michi's tatkräftige Technik-Tipps

Für die Bearbeitung von Podcasts gibt es zahlreiche Programme und Möglichkeiten. Für eine kurze Übersicht, hat Michi aber seine persönliche Erfahrung exklusiv mitgeteilt. 

Tonschnittprogramme

Audition von Adobe ist ein wirklich gutes Programm. Dort gibt es sogar ein eigenes Tool nur für Podcasts. Und es gibt viele Hilfen und Abkürzungen, die enorm Zeit sparen. Aber man schafft es auch mit anderen Programmen, wie Garage Band und Audacity. Oft stößt man da jedoch auch an Grenzen. Und das Bearbeiten dauert eben oft wesentlich länger.“ 

Aufnahmetechnik

„Je nach Art und Zielsetzung des Podcasts, kann das technische Set-up sehr unterschiedlich aussehen. Ein professionelles Tonstudio mit einschüchternden Reglern und Knöpfen braucht aber niemand! Für die Aufnahme nur einer Tonspur (Mono) reicht oft schon ein USB-Mikrofon aus. Das kann man direkt an den Computer anschließen und sofort eine Tonspur als Datei erhalten. Schwieriger wird das bei mehreren Gesprächspartnern. Spätestens ab drei Personen lohnt sich ein professionelles Aufnahmegerät oder sogar ein Sound-Mixer. Das verbessert zusätzlich die Aufnahmequalität und macht z.B. das Einfügen von Musik während Live-Broadcastings möglich.“ 

Einen guten Überblick mit Produktempfehlungen haben wir hier gefunden. Wenn ihr auf der Suche nach Sprech- und Radiotrainings seid, schaut bei Radio Orange in Wien vorbei! 

Credit: ©Africa Studio/Adobe Stock