Content Creator Carina Sitz im Interview: Welche Rolle spielen Interviews für individuellen Content?

Pia Saal | 21. Mai 2019 | Content Marketing

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Carina Sitz ist bei Content Glory im Bereich Content Creation und Management tätig und kennt sich aus mit dem Handwerkszeug der redaktionellen Arbeit. Sie führt die Interviews mit Expertinnen und Experten und haucht den relevanten Informationen in Form von Blogs und Newslettern Leben ein. Wenn es um die Erstellung von spannenden Inhalten geht, weiß sie, worauf es ankommt: die Verknüpfung zwischen Unternehmen und Zielgruppe schaffen.

Was sind deine Ziele bei Interviews?

Mir geht es darum, Informationen strukturiert und effizient aus persönlichen Gesprächen herauszufiltern. Die Art der Fragestellung spielt hier eine entscheidende Rolle, um ein Gebiet möglichst schnell im Grundriss zu skizzieren. Es gilt, prägnante und konkrete Fragen zu stellen, um schnell zum Punkt zu kommen.

Wie gehst du an ein neues Projekt heran?

Für mich ist es wichtig, bereits im Vorfeld ein Gefühl für das Unternehmen zu entwickeln. Vor der ersten gemeinsamen Sitzung screene ich sämtliche Assets des Unternehmens. Dann stelle ich mir folgende Fragen: Wie ist das Unternehmen aufgestellt? Was sind die eigenen Kernkompetenzen? Wer ist die Konkurrenz und wie kommuniziert sie? Wie schafft man es, sich abzuheben? So kann man erste Ideen zu Inhalten und deren Tonalität gleich ins erste Meeting mitbringen.

Auf welche Ressourcen kann man bei der Recherche noch zurückgreifen?

Nach dem Screening der Assets ist es hilfreich, Expertinnen und Experten in diesem Metier aufzusuchen. Diese Herangehensweise erleichtert den Einstieg in fachfremde Themen enorm! Außerdem ist ein natürliches Interesse meiner Erfahrung nach eine gute Basis für Recherche. Ansprechpersonen können auch aus dem Bekanntenkreis stammen. Ich nutze hier gerne Ressourcen, die bereits vorhanden sind.

Welche Eigenschaften sollten diese Expertinnen und Experten haben?

Expertise ist für mich eine Kombination aus strukturiertem Wissen, Erfahrung und Begeisterung für die Sache. Das Vorhandensein dieser Eigenschaften bestimmt natürlich auch die Qualität der Interviews maßgeblich.

Wie wählst du Interviewpartnerinnen und -partner aus?

Ich befrage meist Beschäftigte des Unternehmens selbst. Bei Bedarf kann auch der Kontakt zu externen Fachleuten hergestellt werden, um beim Webauftritt zusätzlich zu punkten.

Das Wissen ist aber in den meisten Fällen bereits intern vorhanden und wird auch dort produziert. Unternehmen sind Brutstätten für Wissen und Expertise, die jedoch zu oft ungenützt bleiben!

Der perfekte Intervieweinstieg?

Um es ganz simpel auszudrücken: ein ehrliches Interesse am Menschen. That’s it.

Personen mit einem natürlichen Interesse an ihnen und ihrer Arbeit gegenüberzutreten schafft eine offene Atmosphäre und macht das Gespräch für beide Seiten zu einer Bereicherung.

Mit festgelegtem Fragenkatalog oder ganz spontan ins Gespräch gehen?

Ich halte mir die Themenschwerpunkte meistens bis zum Zeitpunkt des Interviews offen. Hier ist Mut zu Spontanität und dem eigenen Bauchgefühl gefragt! Nichtsdestotrotz erfordert ein Interview natürlich Vorbereitung. Spontan auf Themen einzugehen will gelernt sein.

Was macht aufregendes Storytelling für dich aus?

Ein Artikel, hinter dem gutes Storytelling steht, liest sich flüssig, aber trotzdem nicht zu glatt, er sticht hervor mit Ecken und Kanten, sodass er spannend genug zum Weiterlesen, aber nicht zu irritierend ist und man aufgeben möchte.  Es geht darum, diese feine Balance zu finden. Wichtig ist außerdem die genaue Abstimmung der Inhalte mit dem Publikum.

Gibt es Fehler, aus denen du gelernt hast?

Es gibt keine blöden Fragen! Die anfängliche Scheu, nachzufragen, ist unnötig, denn jede Gesprächsperson freut sich darüber, wenn man ehrliches Interesse zeigt.

Das kommt dann auch dem späteren Artikel zugute, denn so kann man Kundinnen und Kunden auf Augenhöhe begegnen?

Das ist der Kern der Sache. Bei vielen Publikationen geht es ja in erster Linie darum, ein Thema von Grund auf vorzustellen. Expertinnen und Experten, die mit der Materie viel intensiver vertraut sind, fällt es enorm schwer, herauszuzoomen. Das führt dazu, dass Informationen nicht zugänglich kommuniziert werden können.

Welche Vorteile bieten Interviews noch für zielgerichteten Content?

Guter Content informiert nicht nur, sondern kann auch unterhalten. Diese Dimension ist enorm wichtig, um Inhalte kurzweilig und leicht lesbar zu machen.

Interviews sind dafür perfekt geeignet. Man bringt das Gegenüber dazu, Wissen simpel und komprimiert auszudrücken und das macht es verständlich. Wenn Befragte zu verkopft an Antworten herangehen, gerät der Output oft zu komplex.

Warum lohnt es sich, zu dieser aufwendigeren Methode zu greifen?

Ich habe erst gestern einen Satz gelesen, der es für mich auf den Punkt bringt: Fakten sind für alle gleich, aber das Gefühl ist individuell. Und genau das ist es, was den Unterschied ausmacht. Ein Artikel über reine Fakten hebt Unternehmen nicht von der Masse ab. Doch durch die Einbindung persönlicher und emotionaler Komponenten entstehen Inhalte, die individuell sind und nicht imitiert werden können.

Also sind Interviews der Holy Grail des Content Marketings?

Es ist sicher nicht die einzig und allein beste Methode, um Content zu generieren. Aber es bietet Unternehmen große Chancen: Viele wären überrascht, auf wie viel relevantem, authentischem Content sie sitzen.

Der Interviewende also als Goldgräber, der diese Schätze zu Tage fördert?

Genau! Da haben wir das selbe Bild im Kopf.

Wieso macht Content Marketing im Agenturformat Sinn?

Unternehmen verfügen zwar über die nötige Expertise, aber tendenziell nicht über genügend Ressourcen, um sie strukturiert und in redaktioneller Form aufzubereiten. Die Marketingabteilungen sind oft heillos überlastet und daher macht es Sinn, diese kreative Arbeit outzusourcen.

Zum Abschluss: Was legst du den aufmerksamen Lesern ans Herz, die diese Strategie interessant finden?

Für Unternehmen wird es immer wichtiger, sich und die eigenen Themen in der Öffentlichkeit zu präsentieren und zu positionieren. Dadurch können sie Charakter und Haltung beweisen.

Die reine Informationsvermittlung ist heute ein Hygienefaktor, aber damit lockt man niemanden mehr hinter’m Ofen hervor. Es braucht diese persönliche Dimension. Und Interviews können genau das herausstreichen.


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Carina Sitz

Credit: © Lumina Images/Adobe Stock